Zauberhaftes Ungarn - Reise durch das Land, seine Kultur und Geschichte  
 
autoversicherungen vergleichen


Die Architektur in Ungarn


Sie sind hier: Startseite > Hauptmenü > Architektur

Wichtiger Hinweis!
Diese Webseite ist auf die Adresse
http://www.zauberhaftes-ungarn.de/architektur.htm umgezogen.
Sie werden nach 15 Sekunden automatisch weitergeleitet.
Vielen Dank für Ihr Verständnis!

Bauten und Denkmäler der Kunstgeschichte in Ungarn

Wir haben der besseren Übersicht halber die Bauten und Denkmäler der ungarischen Kunstgeschichte in 13 Stilepochen unterteilt (siehe die nachfolgende Liste). Wenn Sie in der Liste auf das für die jeweilige Stilepoche hervorgehobene Wort klicken, werden Sie zu einer neuen Seite mit einer interaktiven Karte weitergeleitet, auf der die Ortschaften mit Bauten / Denkmälern der betreffenden Stilepoche eingetragen sind.

  • Die Zeit vor der Landnahme (vor 896)
  • Romanik (11. bis 13. Jh.)
  • Gotik (Ende 12. bis Anfang 16. Jh)
  • Renaissance (um 1470 bis 1526)
  • Die Türkenzeit (1526-1686)
  • Barock (um 1650 bis Ende 18. Jh.)
  • Orthodoxes Ungarn (Ende 15. bis 18. Jh.)
  • Reformiertes Ungarn (16. bis 18. Jh.)
  • Klassizismus (Erste Hälfte 19. h)
  • Historismus&Eklektizismus (Zweite Hälfte 19. Jh.)
  • Jugendstil (19. Jh. bis erste Hälfte 20. Jh.)
  • Jüdisches Ungarn
  • Ungarische Organische Architektur (20. Jh.)

    Kunsthistorischer Überblick

    Zur Zeit der Ungarischen Landnahme (896) waren bereits die meisten Bauten der Römer und slawischen Völker in Ungarn nur noch als Ruinen erhalten. Zu den römischen Relikten zählen die größte Ausgrabungsstätte Ungarns in Tác-Gorsium sowie die ehemalige Römersiedlung Aquincum in Óbuda. Ein Beispiel slawischer Architektur sind die Grundmauern der dreischiffigen Basilika in Zalavár. Die Anzahl dieser Relikte war jedoch sehr gering. Als die Ungarn daher unter ihrem ersten König, dem Heiligen Stefan, um das Jahr 1000 ihren christlichen Feudalstaat gründeten, mussten sie praktisch von Null auf ihrem Land eine neue Architektur geben.
    Das Jahr 1000 deckt sich zeitgleich mit dem Beginn der Romanik in Europa. Die Einführung des Christentums in Ungarn war begleitet von der Errichtung von Kirchen im ganzen Land - laut einem königlichen Gesetz musste auf zehn Dörfer eine Kirche gebaut werden -, zehn Bischofskirchen (u.a. in Pécs), einigen Benediktinerklöstern sowie der Krönungs- und Bestattungsbasilika in Székesfehérvár. Alle dieser Bauten sind nur noch in Dokumenten oder in Form von Grundmauern erhalten geblieben. Die Kathedrale in Székesfehérvár war eine monumentale, dreischiffige Basilika; sie stand noch Anfang der Türkenherrschaft wurde dann aber Ende des 18. Jahrhunderts abgerissen, um dem heutigen Bischofspalais Platz zu machen. Die Kathedrale in Pécs mit ihren vier Ecktürmen wurde 1064 durch Feuer zerstört. Andere nur in Dokumenten erwähnte oder anhand von Grundmauern erhalten gebliebene Bauten aus jener Zeit sind die Kathedrale in Kalocsa und die Benediktinerabtei in Pannonhalma. Erhalten geblieben sind u.a. die Krypta in der Pfarrkirchen in Feldebrö und in Tihany, beide aus dem 11. Jh.
    Die erste Phase der Hochromanik in Ungarn reichte vom Ende des 11. Jahrhunderts bis Ende des 12. Jahrhunderts. Zunächst dominierte der deutsche und dalmatinische Einfluss auf den Baustil; gegen Ende der Periode machte sich der französische Einfluss jedoch immer mehr bemerkbar. Die Periode von Ende des 12. Jahrhunderts bis zum Mongolensturm (1241) gilt als das goldene Zeitalter der späten romanischen und frühen gotischen Kunst in Ungarn. Eindrucksvolle Beispiele sind vor allem die gewaltigen Sippen- und Geschlechterkirchen mit angeschlossener Abtei oder Propstei, mit denen der Hochadel seine Macht zur Schau stellen wollte. Waren die Klöster zunächst noch in den Händen der Benediktiner, gewannen ab Anfang des 13. Jahrhunderts die Zisterzienser (eindrucksvollstes Beispiel ist die Abteikirche in Bélapátfalva) und danach die Prämonstratenser an Bedeutung.
    Die erste aus dieser Gattung der Sippen- und Geschlechterkirchen ist die Kirche in Lébény (1202-1208); die bedeutendste und eindrucksvollste ist die Kirche in Ják (gestiftet 1214), die bereits Stilelemente der Benediktiner und Zisterzienser vereint. Die dritte Kirche, die mächtige Kirchenruine in Zsámbék (1220-1258), ist ein Meisterwerk des Übergangs von der Romanik zur Gotik. Sie steht bereits unter dem Einfluss der Prämonstratenser. Vor dem Mongolensturm gab es schätzungsweise 90 solcher Bauten. Allen gemeinsam ist der Dreierrhythmus aus dreischiffiger Basilika ohne Querschiff mit drei halbkreisförmigen Apsiden und wuchtigen Zwillingstürmen.
    Neben diesen großartigen und mächtigen Relikten sind noch weitere vorwiegend dörfliche sakrale Bauten des romanischen Stils in Ungarn erhalten geblieben wie z.B. die Kirchen in Ócsa, Egregy, Csempeszkopács, Velemér, Öriszentpéter, Mánfa und Csaroda. Einen Sondertyp spätromanischer Kirchen bilden Zentralbauten wie am Beispiel der Kirchen in Karcsa, Kiszombor, Kallósd und Szalonna.

    Ärgerlich: Kirche geschlossen
    Besucher vor geschlossener Gittertür

    Leider steht man bei Kirchen in der ungarischen Provinz oft vor geschlossenen Pforten bzw. muss man sich - wie im Bild oben - mit einem Blick durch das Gitter begnügen. Manchmal kann ein an der Pforte angebrachter Zettel mit einer Telefonnummer weiter helfen. Oder der Gang zur Pfarrei bzw. dem Bürgermeisteramt. Das Stichwort "templom" in Verbindung mit der bewundernswerten Hilfsbereitschaft der Belegschaft können dort Wunder bewirken.

    Der Mongolensturm bedeutete nicht nur eine soziale nationale Katastrophe, sondern auch eine kunsthistorische Zäsur: er war der Anfang zum Ende der Romanik in Ungarn - die Spätromanik überdauerte in weiten Landesteilen das gesamte 13. Jahrhundert - und läutete das gotische Zeitalter in Ungarn ein. Die kirchliche Gotik - Wegbereiter waren die Bettelorden, Franziskaner und Dominikaner - und die bürgerliche Gotik verbreiteten sich zunächst Seite an Seite. Erst ab der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts bestimmte das Herrscherhaus zunehmend auch den Kirchenbau.
    Leider sind nur wenige gotische Bauten in Ungarn erhalten geblieben. Die meisten sind der türkischen Besatzung zum Opfer gefallen. Am besten erhalten sind gotische Bauten in Regionen, die von den Türken nicht besetzt waren, die aber nicht mehr zum heutigen Ungarn gehören wie in Teilen der Slowakei und in Transsylvanien im heutigen Rumänien. Auf dem Gebiet des heutigen Ungarns sind als Zeugen der Gotik zu nennen die Matthiaskirche in Budapest (sie wurde allerdings mehrmals verändert), der Königspalast in Visegrád, die Hallenkirchen in Sárospatak, Miskolc und Köszeg, der Kreuzgang der Benediktinerabtei in Pannonhalma, die St.-Georgskirche in Nyírbátor und die Franziskanerkirche in Szeged sowie schließlich, als Beispiel eines profanen gotischen Bauwerks, das Burgschloss Diósgyör bei Miskolc.
    In Mitteleuropa und in weiten Teilen Ungarns blühte noch die Gotik, als König Matthias Corvinus (1458-90) und seine aus Italien stammende Gemahlin den königlichen Hof zu Buda und Visegrád zum ersten und prunkvollsten Zentrum der florentinischen Frührenaissance nördlich der Alpen gestalteten. Außerhalb des Königshofs konnte sich die Renaissance jedoch kam durchsetzen. Außerdem ereilte die meisten Renaissancekunstwerke das gleiche Schicksal wie jene der Gotik: sie fielen der Türkenbesatzung zum Opfer. Der legendäre Renaissancepalast in Buda samt seiner Bibliothek wurden zerstört. Erhalten geblieben sind die Bakócz-Kapelle im Dom zu Esztergom, die Sakramentsnische in der Innenstädtischen Pfarrkirche in Budapest, Teile des Königspalasts in Visegrád sowie, als Beispiele der Spätrenaissance, die Lorántffy-Loggia des Burgpalasts in Sárospatak bzw. die Burgschlösser in Pácin und Sárvár.

    Mit den Türken kam auch die osmanische Architektur in Gestalt von u.a. Moscheen, Minaretten, Türben und Bädern nach Ungarn. Die meisten dieser Bauwerke - die Geschichte wiederholt sich - fielen nach dem Abzug der Türken (1686) christlicher Intoleranz zum Opfer. Die erhalten geblieben sind - einige Moscheen in u.a. Pécs, Siklós und Esztergom, Minarette in Eger und Érd, Türben in Buda und Pécs sowie Bäder in Buda - überzeugen weniger durch ihren künstlerischen Wert als durch die Tatsache, dass sie die am weitesten nach Norden außerhalb des Orients gelegenen Bauwerke ihrer Art sind.
    Auf die Türken folgten die Habsburger und mit ihnen die Gegenreformation. Diese wiederum nutzte die sakrale Kunst und zwar die Pracht des Spätbarock als Werkzeug. Die Gegenreformation und mit ihr der Spätbarock stießen auf verbreiteten Widerstand in Ungarn und konnten sich vornehmlich nur in den katholischen Landesteilen, d.h. in West- und Nordungarn einbürgern. (Der aus Italien Anfang des 17. Jahrhunderts stammende Frühbarock konnte sich nur in den westlichen, von den Türken nicht kontrollierten Landesteilen begrenzt durchsetzen. Ein Beispiel ist die Karmeliterkirche in Györ).
    Die spätbarocke Bautätigkeit ab Anfang des 18. Jahrhunderts umfasste als Ausdruck des Stolzes über den Triumph der Gegenreformation vor allem Bischofsresidenzen, Schlösser und Kirchen. Unter den zahlreichen Beispielen sind insbesondere folgende hervorzuheben: die Bischofsresidenzen in Székesfehérvár, Veszprém und Eger; das Schloss Esterháza in Fertöd sowie die Schlösser im Ungarischen Barock, den sogenannten Grassalkovich-Typ, in Gödöllö und Hatvan; die Universitätskirche und die St.-Annenkirche in Budapest, die Minoritenkirche in Eger, der Dom in Kalocsa, die Abteikirche in Tihany und die Pfarrkirche in Sümeg
    Das Reformwerk Kaiser Joseph II., insbesondere die Einführung von Deutsch als Amtssprache, löste in Ungarn landesweite Empörung aus und legte den Keim zum ungarischen Nationalismus. Auf dem Gebiet der Kunst benötigte der erstarkende ungarische Nationalismus neue Ausdrucksformen und zwar weg vom barocken Prunk der Habsburger hin zum vornehm-zurückhaltenden Frühklassizismus. Der Nationalismus machte sich vor allem in protestantischen Kreisen breit und so wurde Debrecen, die Hochburg des Kalvinismus, früh eine Hochburg des neuen Stils. Ab 1825 konnte sich der Klassizismus dann, mit Ausnahme vom katholischen Westungarn, im ganzen Land durchsetzen. Die besten Beispiele dieses Stils sind das Nationalmuseum in Budapest, die beiden größten Dome Ungarns in Esztergom und Eger, die Komitatshäuser in Pest, Debrecen und Szekszárd sowie die Schlösser in Dég und Csákvár.
    Nach der gescheiterten Revolution 1848/49 folgte das Zeitalter der Romantik mit seiner Hinwendung zu nationalen Vergangenheit. Hierzu schienen orientalische und byzantinische Stilelemente am besten geeignet. Zwei herausragende Beispiele dieser Kunstrichtung sind die Redoute in Budapest sowie das Csokonai-Theater in Debrecen.
    Um 1870 wurde die Romantik vom Historismus abgelöst. Er bedeutete eine Wiederbelebung aller vergangener Stilrichtungen und entstand unter dem Einfluss der öffentlichen Hand und des erstarktem Großbürgertums. Das Ergebnis waren prunkvolle Palais, Mietshäuser und Boulevards. Der Historismus erlebte vor allem nach 1873 in Budapest, nach der Vereinigung der drei Städte Buda, Pest und Óbuda, seine Glanzperiode (u.a. mit der Staatsoper und den großen Radialstraßen). Aber auch in der Provinz entstanden herausragende Bauten, wie z.B. die neoromanischen Dome in Pécs und Szeged. Im ausgehenden 19. Jahrhundert ebbte der Historismus mit dem eklektischen Historismus aus, bei dem die verschiedenen Stilrichtungen nicht mehr rein sondern bunt durcheinandergemischt dargestellt werden. Bekannte Beispiele sind auch hier in Budapest zu finden in Gestalt des königlichen Schlosses, Café New York, dem Parlamentsgebäude und der Fischerbastei.
    Um die Wende des 19. und 20. Jahrhunderts suchte ganz Europa nach neuen Kunstformen. Grundlegend waren die Forderungen nach Wiederbeleben alter Handwerkstraditionen und Umsichtnahme auf Brauchbarkeit. Der aus diesen Bestrebungen hervorbrechende neue Stil nannte sich Jugendstil in Deutschland und Sezession in Wien und Osteuropa.
    In Ungarn erhielt der Jugendstil seine eigene nationale Ausrichtung und seine Anfänge fielen etwa zeitgleich mit dem Millennium von 1896 zusammen. Der ungarische Jugendstil besinnt sich auf die östliche Vergangenheit der Magyaren und sieht in der Volkskunst die Wurzeln der Vergangenheit. Folglich bedient er sich ungarischer Volkskunstmotive und vermischt diese mit orientalischen Stilelementen. Federführend bei der Entwicklung des ungarischen Jugendstils war der Architekt Ödön Lechner. Typisch für seine Bauwerke sind Majolika-Verkleidungen der Fassaden, Dächer und Firste etc. Die bekanntesten Beispiele sind in Budapest die ehemalige Postsparkasse, das Geologische Institut und das Kunstgewerbemuseum, sowie in der Provinz das Rathaus in Kiskunfélegyháza, der Bunte Palast und das Rathaus in Kecskemét sowie die neue Synagoge und das Iris-Haus in Szeged.
    Im Zuge der Ausbreitung der Reformation in Ungarn im 16. Jh. wurden zahlreiche katholische Kirchen den Bedürfnissen der reformierten angepasst: Fresken wurden zerstört oder übertüncht, Altäre und Tafelbilder entfernt und Holzgalerien eingezogen. Typisch sind die freistehenden hölzernen Glockentürme mit auskragendem Dach und schlanken Turmhelmen. Beispiele dieser Kirchen stehen in Nyírbátor, Boldva, Szalonna, Vizsoly und Csaroda.
    Seit dem späten 18. Jahrhundert wurden von den Reformierten zunehmend einfache Saalkirchen in den Gemeinden errichtet. Äußerlich unterscheiden sie sich wenig von den um jene Zeit errichteten Kirchen der Katholiken. Das Innere imponiert aber oft durch seine vorzügliche Ausstattung an mit ungarischer Volkskunst verzierten Kassettendecken, Emporen, Kanzel, Priesterstuhl und Abendmahltischen. Schöne Beispiele sind die Kirchen in Csaroda, Tákos, Szenna, Drávaiványi, Vajszló und Kovácshida.
    Der Vielvölkerstaat Ungarn besitzt eine Vielzahl an christlich-orthodoxen Kirchen. Die meisten folgen äußerlich dem Stil katholischer spätbarocker Saalkirchen mit einem Westturm. Das Innere allerdings ist anders mit Chor (für die Priester und Diakonen), Schiff (für die Laien) und Vorhalle. Die Ikonostase (Bilderwand) trennt den Chor vom Schiff. Die schönsten Beispiele solcher Kirchen stehen in Budapest, Szentendre, Grábóc, Miskolc, Székesfehérvár und Eger).
    Synagogen sind in Ungarn nur noch wenige erhalten geblieben. Viele sind zudem zweckentfremdet. Sehenswerte Bauten stehen in Sopron (gotisch), Baja, Budapest, Kecskemét, Szombathely, Pécs (Historismus) und Szeged (ungarischer Jugendstil).
    Die ungarische organische Architektur erlebte ihre Geburt als neue Kunstgattung in der Architektur in Ungarn Mitte des 20. Jahrhunderts. Maßgeblich beteiligt an ihrer Entstehung und weiteren Entwicklung war der Architekt Imre Makovecz (1935-2011).
    Der Begriff "organisch" betont die Harmonie von Gebäude und Landschaft. Er bezieht sich weniger auf die Baumaterialien als auf die Form. Zwar ist Holz ein wichtiges Baumaterial, aber auffallend ist die Form: die Bauten erinnern an Tiere oder Pflanzen. Auffallend ist auch die Neigung zur Skulptur: viele der Bauten sind überdimensionale Skulpturen.
    Bedeutende Bauwerke dieser Stilrichtung stehen in Paks, Siófok, Sárospatak, Szazhalombatta, Makó und Szigetvár.

    Quellen:

  • Lajos Németh: A Concise History of Hungarian Art. Corvina Press 1976. ISBN 963 13 3065 6
  • Reinhardt Hootz: Kunstdenkmäler in Ungarn. Deutscher Kunstverlag 1980. ISBN 3 422 00363 0.
  • Anneliese Keilhauer: Kultur und Kunst im Land der Magyaren. DuMont 1996. ISBN N 3-7701 2096-5.

    Zum Seitenanfang.

    Aktualisiert am 21.12.2016