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Die Puszta

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Die Puszta

- Bedeutung
- Einöde
- Einödhof
- Pusztaromantik
- Die Puszta heute
- Hortobágy
- Bugac-Puszta


Bedeutung
Laut Wörterbuch
  • bezeichnet das Hauptwort puszta eine Einöde oder einen Einödhof; das Hauptwort pusztitás bedeutet Zerstörung und Verwüstung
  • das Tunwort / Verb pusztit bedeutet zerstören und verwüsten, das Tunwort / Verb pusztul besagt zugrunde gehen und aussterben
  • das Eigenschaftswort / Adjektiv pusztitó bedeutet verheerend.

    Einöde
    Als Landschaftsgebiet betrachtet ist die Puszta eine von Menschenhand geschaffene Gras- und Salzsteppe. Typische Merkmale sind kalte Winter, trockene Sommer, feinerdige Böden und einförmiger Bewuchs.
    Lage
    Die Puszta, die ungarische Steppe, breitet sich fächerförmig südöstlich von Budapest aus und bildetdabei den größten Teil der berühmten Großen Ungarischen Tiefebene.

    Entstehung
    Die Puszta ist von Menschenhand geschaffen. Vor rund 1100 Jahren, als die Magyarenstämme hier ankamen und sesshaft wurden, war die Große Tiefebene noch eine von Donau und Theiß umspülte fruchtbare Auenlandschaft mit Wäldern und Sümpfen. Hier enwickelten sich blühenden Siedlungen. Dann, im 13. Jh., kamen die Mongolen und verwüsteten das Land, zerstörten Dörfer. Zum Wiederaufbau wurde Holz benötigt, mussten Wälder gerodet werden. Im 17. und 18. Jh. folgten die Türken. Die Große Tiefebene wurde fast vollständig entvölkert, der Rest der Wälder abgebrannt. Damit begann die Versteppung. Gleichzeitig begann man, die brachliegenden Flächen für die Viehzucht und Freiland-Tierhaltung zu nutzen. Um diesen Erwerbszweig weiter zu fördern, begann man Mitte des 19. Jhs. mit der Regulierung der Flüsse und Trockenlegung der Sümpfe. Dies begünstigte die Steppenbildung weiter: das Grundwasser sank, die Böden, Gewässer und toten Flussarme versalzten zunehmend. Es entstand die ungarische Puszta, jene Gras- und Salzsteppe mit ihren kalten Wintern, trockenen Sommern, feinerdigen Böden und einförmigen Bewuchs.



    Einödhof
    Als Puszta bezeichnete Einödhöfe gab es bis zur Bodenrefom 1921 mehrere in Ungarn. In der Regel waren es große Güter, die im Besitz des ungarischen Hochadels waren. Diese Güter wurden oft mit dem Namen des Orts bezeichnet, in dem sie lagen, gefolgt vom Wort "Puszta". Auch heute tragen noch zahlreiche Ortschaften in Ungarn den Namen dieser Güter, z.B.:
  • Hatvanpuszta
  • Vámpuszta
  • Marótpuszta

    Eine authentische Schilderung des Lebens - vor allem der Leibeigenen- auf solch einer Puszta bietet der Roman Die Puszta des ungarischen Schriftstellers Gyula Illyés.






    Pusztaromantik
    Zum Inbegriff der Puszta gehört zunächst die unendliche Weite. Sie mag manchem Betrachter als langweilig erscheinen, wer aber die Einkehr sucht, der ist hier gut aufgehoben. Sándor Petöfi, der große ungarische Dichter, hat seine Liebe zur Tiefebene wie folgt ausgedrückt:
    Nur im Tiefland fühl ich mich zu Hause
    nur in seinen meeresglatten Weiten
    kann ich wie ein Aar, der aus dem Kerker
    ausbrach, frei und froh die Flügel breiten.


    Die Puszta wird von Hirten bewohnt und zwar, ihrem Rang nach, von den Pferdehirten (den Csikós), den Rinderhirten (Gulyás), den Schafhirten (Júhász) und den Schweinehirten (Kanász). Die Rangordnung widerspiegelt sich auch in der Tracht. Zu einem weiteren Inbegriff der Puszta gehören die aus Lehmziegeln gebauten, weiß getünchten Gehöfte (Tanya) mit ihren roten Geranien im Fenster, die hölzernen Ziehbrunnen, das Naturphänomen der Fata Morgana, der Luftspiegelung, und nicht zuletzt die altungarischen Haustierrassen in Gestalt der Pusztapferde, Graurinder, Zackelschafe und Mangalica-Wollschweine.

    Die Puszta heute
    Weite Gebiete der ursprünglichen Puszta wurden in den letzten Jahren durch Einsatz künstlicher Düngemittel kultiviert. Die als Viehweide genutzte Gras- und Salzsteppe gibt es in ihrer ursprünglichen Form nur noch an wenigen Orten, vor allem östlich der Theiß im Nationalpark Hortobágy und zwischen Theiß und Donau in Teilen des Nationalparks Kleinkumanien, vor allem die bei Touristen beliebte Bugac-Puszta.

    Nationalpark Hortobágy
    Der Nationalpark Hortobágy - der größte in Ungarn - liegt westlich von Debrecen in der nördlichen Großen Tiefebene. Hortobágy ist die größte, zusammenhängende, natürliche Grassteppe Europas. Das gesamte Gebiet des Nationalparks (520 qkm) ist ein Biosphärenreservat. Ein Viertel der Fläche ist eine international anerkannte und geschützte Lebensstätte der Wasservögel.
    Der Nationalpark ist eine Landschaft der Gegensätze. Die für die Hortobágy so typische Salzsteppe ist eine von der Natur (vor allem Überschwemmungen der Theiß) geformte und von Menschen zurückeroberte (Theiß-Regulierung, Viehzucht) Landschaft. Vor allem die Viehzucht (Graurinder, Zackelschafe) bestimmen auch heute noch das Bild dieser Landschaft. Hier nisten aber auch Sandlerchen, die Vertreter einer seit Urzeiten in Ungarn lebenden Vogelart. Die UNESCO hatte die einzigartigen Werte dieser Steppenlandschaft anerkannt, indem sie Hortobágy 1999 zum Weltkulturerbe erklärte.
    Am Rande der Puszta bieten die mit Wildblumen bewachsenen Weiden der Lössgegend ausreichend Lebensraum für die Großtrappen, die größten Vögel Ungarns. Eine außerordentlich wichtige Rolle im Leben der Wasser- und Zugvögel spielt das 5000 ha Gesamtfläche umfassende System der Fischteiche. Hier rasten jährlich viele seltene Zugvögel. Auch der Theiß-See spielt er eine bedeutende Rolle, sowohl im Leben als auch im Nist- und Brutverhalten der Zugvögel.

    Bugac-Puszta


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    Aktualisiert am 30.10.2016