Zauberhaftes Ungarn - Reise durch das Land, seine Kultur und Geschichte  
 
 

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Kunst und Kultur in Ungarn

Geschichte der Bildenden Künste in Ungarn

Der nachfolgende Abriss der Geschichte der Bildenden Künste Ungarns befasst sich mit der Malerei, Bildhauerei und Grafik. Der Architektur und den Darstellenden Künsten sind jeweils ein eigenes Kapitel gewidmet.

1. Gründerzeit bis Mittelalter

Die magyarische Landnahme 896 war von kriegerischen Auseinandersetzungen vor allem mit den europäischen Nachbarn geprägt. Folglich hat sie wenig Spuren durch Bauten oder Werke der bildenden Künste hinterlassen. Mit der Krönung Stephan I zum ersten König Ungarns Weihnachten 1000 und seiner Bekehrung zum Christentum, aber, wurde aus dem instabilen magyarischen Stammesfürstenstaat binnen kurzer Zeit ein christlicher Feudalstaat westlicher Prägung, der nicht zuletzt den bildenden Künsten kräftige Impulse gab: die infolge der Christianisierung errichteten sakralen Bauten mussten auch entsprechend eingerichtet und geschmückt werden. Dazu wurden ausländische Künstler einberufen. Die entsprechende Muße für die Entfaltung ihrer Kunst sicherte der König durch seine auf Ausgleich bedachte Außenpolitik. Ihre stilistischen Merkmale waren die Romanik.
Leider sind nur wenige dieser Zeugen der Frühromanik in Ungarn erhalten geblieben; die Mehrzahl wurde ein Opfer des Mongoleneinfalls 1241/42. Zu den wichtigsten Artefakten jener Zeit zählen der Stephans-Sarkophag im Ruinengarten zu Székesfehervár, der Grabstein König Andreas I. in der Krypta der Abteikirche zu Tihany sowie das Hauptportal der St. Georgskirche zu Ják.
Von der nach dem Mongoleneinfall entstandenen spätromanischen Bildenden Kunst wurden wiederum zahlreiche während der Türkenherrschaft 1526-1686 vernichtet oder entwendet. Unter den erhalten gebliebenen Kunstwerken hervorzuheben sind neben den Statuen und dem Tympanonrelief des Südportals der Kalvinistischen Kirche zu Litér die Fresken in:
  • Den Pfarrkirchen St. Martin zu Feldebrö und St. Andreas zu Hidegség.
  • Der Gisela-Kapelle in Veszprém.
  • Die Kalvinistische Kirche in Ócsa.
  • Den St. Georgskirchen zu Ják und Csempeszkopács.

    2. Gotik

    Die Spätromanik dauerte als vorherrschende Stilrichtung in weiten Teilen Ungarns das gesamte 13. Jahrhundert an. Die Ausnahme war der königliche Hof und die sakrale Kunst, wo die Frühgotik von Zisterziensern und Prämonstratensern bereits Anfang des 13. Jahrhunderts und nach dem Mongoleneinfall von den Franziskanern und Dominikanern Verbreitung fand. Ihre Blütezeit erlebte sie unter den Anjou-Herrschern ab 1387 und später unter König Matthias Corvinus (1458-1490).
    Ab dem 14. Jahrhundert stand die Freskomalerei unter norditalienischem Einfluss. Bedeutendster Vertreter sind die Fresken in der Dorfkirche zu Velemér.
    Bedeutendste Bildhauer der ungarischen Gotik waren die Kolozsvári-Brüder.
    Die Gotik ist auch das Zeitalter der Flügelaltäre. Die schönsten Exemplare dieser Stilrichtung stammen aus den reichen, von den Türken verschont gebliebenen Bergbaustädten Oberungarns in der heutigen Slowakei. Sie werden heute dem breiten Publikum in der Ungarischen Nationalgalerie in Budapest und dem Christlichen Museum in Esztergom dargeboten.
    Viele der gotischen Bildenden Künste wurden durch Feuersbrünste, Umbauten oder Übermalungen zerstört bzw. während der Türkenherrschaft vernichtet. Die am Besten bewahrten Artefakte finden sich daher in von den Türken verschonten Regionen, wie Teilen Nordungarns (der heutigen Slowakei) und in Transsylvanien (dem heutigen Rumänien). Einige der wichtigsten Werke werden heute in ungarischen Museen, wie der Ungarischen Nationalgalerie, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
    Zu den bedeutendsten vor Ort erhalten gebliebenen gotischen Werke der Bildenden Künste in Ungarn zählen
    Plastiken
  • Das Ladislaus-Kopfreliquiar im Dom zu Györ (vermutlich von einem der Kolozsvári-Brüder).
  • Die Sakramentsnische der Innerstädtischen Pfarrkirche zu Budapest.
    Fresken
  • In der Dorfkirche zu Velemér.
  • In der Innerstädtischen Pfarrkirche zu Budapest.
  • Kalvinistische Kirchen in Csaroda, Rudabánya, Szalonna und Vizsoly.
  • In der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt zu Nográdsáp.

    3. Renaissance

    Mit der aus Neapel stammenden Anjou-Dynastie wurde auch der Trecento, die Zeit der Protorenaissance im Italien des 14. Jahrhunderts, mit nach Ungarn gebracht und hier zum Wegbereiter der Renaissance in Ungarn: dank der tatkräftigen Förderung von König Matthias Corvinus fand die italienische Frührenaissance ab 1470 ihren Eingang in Ungarn. Der königliche Hof zu Buda und Visegrád wurde zum glanzvollsten Zentrum dieser Kunstgattung nördlich der Alpen. Außerhalb des Königshofs konnte sich der neue Stil nur schwer durchsetzen und als der König 1490 starb setzten die darauf folgende feudale Anarchie sowie letztlich die vernichtende Niederlage des ungarischen Heers gegen die Türken bei Mohács 1526 der weiteren Entfaltung der Renaissance in weiten Teilen Ungarns ein jähes Ende. Nur in dem von den Türken nicht besetzten Siebenbürgen konnte die Renaissance eine gewisse Blütezeit erleben. Unter den wenig erhalten gebliebenen Renaissance-Artefakten sind besonders hervorzuheben an Plastiken:
  • Der Zierbrunnen und Brunnen aus rotem Marmor sowie die Madonna im Sommerpalast des Königs Matthias Corvinus in Visegrád.
  • Altar der Bakócz-Kapelle im Dom zu Esztergom.
  • Die Sarkophage Zsigmond Rákóczis in der Kalvinistischen Kirche zu Szerencs bzw. István Báthorys in der St. Georgskirche zu Nyírbátor.
  • Die sogenannte Madonna von Diósgyör, Burg Diósgyör, bei Miskolc.
    An Malereien hervorzuheben sind u.a.
  • Fresken in der Königsburg und Burgkapelle zu Esztergom.
  • Scraffitoverzierungen im Schloss zu Pácin, ehemaligen Bischofspalast zu Fertörákos und der Burg Jurisics zu Köszeg.

    4. Barock

    Der Barock war in Ungarn zunächst italienisch beeinflusst, ehe er ab dem achtzehnten Jahrhundert - nach der Vertreibung der Türken aus Ungarn durch die Habsburger - unter österreichischem Einfluss richtig Fuß fassen konnte. Maßgeblich beteiligt am Erfolg des Barocks in Ungarn war die Gegenreformation, die eingeleitet unter dem Jesuiten und Erzbischof von Esztergom, Péter Pázmány (1570-1637), im Barock das geeignete Stilmittel für ihren Zweck, die Rekatholisierung Ungarns, sah.
    Die im Laufe des Barocks errichteten prächtigen Profan- und Sakralbauten bedurften der entsprechenden barocken Ausstattung. Die Bildhauer und Maler kamen meist aus Österreich und Böhmen, die Stukkateure nahezu ausschließlich aus Italien. Zu den bedeutendsten Freskenmalern jener Zeit zählen Franz Anton Maulbertsch (1724-96) und Paul Troger (1698-1762). Zu Maulbertschs berühmtesten Werken zählen die Fresken in der Pfarrkirche Christi Himmelfahrt in Sümeg, der Pfarrkirche St. Stephan in Pápa, den Doms zu Györ und Vác sowie in der Karmeliterkirche in Székesfehervár. Troger malte das Hochaltarbild und die Deckenfresken der Jesuitenkirche in Györ.
    Die Werke dieser beiden Meistern dienten als Vorbild für das Schaffen zahlreicher anderer Künstler wie Stephan Dorfmeister (1729-97), Johann Cymbal, Johann Lukas Kracker (1717-79) und Martino Altomonte (1657-1745).
    Dorfmeister hinterlässt das vielleicht umfangreichste barocke Schaffen in Ungarn: hervorzuheben sind das Hochaltarbild sowie einige Wandgemälde in der Pfarrkirche St. Peter in Császár, die Wandgemälde im Turmzimmer und Festsaal des Burgschlosses zu Sárvár, die Wand- und Deckengemälde in der Heiligen-Geist-Kirche zu Sopron, das Deckengemälde in der Pfarrkirche zu Szentgotthárd, die Wandgemälde im Bischofspalais zu Szombathely sowie die Gemälde in der ehemaligen Prämonstratenserkirche in Türje.
    Kracker war ein österreichisch-tschechischer Maler des Spätbarock. Er malte vor allem Decken-, Tafel- und Altarbilder in Klöstern und Kirchen. 1767 ließ er sich in Eger nieder. Im dortigen Lyzeum schuf er 1777 sein Hauptwerk Das Konzil in Trient. Zu seinen weiteren ungarischen Werken zählen das Hauptaltarbild in der Minoritenkirche zu Eger sowie die Deckengemälde und Malereien der Seitenwände im Schloss zu Aszód.
    Cymbal schuf u.a. die Fresken im Festsaal des Bischöflichen Palais in Veszprém sowie an den Gewölben und Wänden der Pfarrkirche St. Ignatius in Vörösberény. Altomonte wirkte vor allem in Österreich. Dort ist er für einige Altarbilder und die Deckenfresken im Unteren Belvedere bekannt. Seine wichtigsten ungarischen Werke sind das Hochaltarbild in der Pfarrkirche der Esztergomer Wasserstadt sowie - obzwar nicht ganz sicher - das Hochaltarbild in der Karmeliterkirche zu Györ.
    Nicht unerwähnt bleiben darf schließlich der von Maulbertsch beeinflusste, unbekannte Künstler, der die Fresken in der Pfarrkirche zum Heiligen Kreuz in Balatonkeresztúr malte.
    Zu den weiteren bleibenden Werken der Barockmalerei in Ungarn zählen
  • zahlreiche Hochaltarbilder wie z.B. in der St. Georgskirche zu Csempeszkopács, der ehemaligen Franziskanerkirche zu Szeged, der Pfarrkirche St. Michael zu Sopron, des Doms zu Szombathely und des Doms zu Kalocsa.
  • die Fresken in den Burgen und Schlössern zu Sárvár, Sárospatak (Sub-rosa-Zimmer), Sümeg (Bischofspalais), Fertörákos (Bischofspalais), Edelény, Fertöd, Noszvaj, Kalocsa (Bischofspalais) sowie den Kirchen zu Pápoc (Michaelskapelle), Ráckeve (orthodox-serbische Kirche), Györ (Dom), Budapest (Annenkirche, Universitätskirche) sowie Tihány.
    In der barocken sakralen Malerei darf die in kalvinistischen Kirchen aus der damaligen Zeit traditionelle bemalte Holzdecke nicht unerwähnt bleiben. Hervorragende Beispiele dieser Gattung sind die Dorfkirchen u.a. in Szenna, Drávaiványi, Kórós, Adorjás, Alsóörs, Csenger, Rudabánya, Tákos und Ózd-Szentsimon zu bewundern.
    Einziger nennenswerter Maler des ungarischen Barocks außerhalb dem Genre der Fresken- und Altarmalerei war der Portraitist Ádám Mányoki (1673-1756). Seine meiste Zeit verbrachte er im Ausland, aber in Ungarn am besten bekannt ist er als Porträtmaler am Hofe des Fürsten Rákóczi II.
    Der Barock ist auch das Zeitalter der Dreifaltigkeitssäulen. Die schönsten stehen in Sopron, Köszeg, Szentendre, Buda-Alstadt, Kecskemét und Vác. Womit wir bei den Plastiken angelangt wären. Hervorzuheben ist zunächst die außerordentlich reiche barocke Ausschmückung der Minoritenkirche in Nyírbátor, nicht nur weil die Kirche im spätgotischen Stil errichtet wurde sondern insbesondere, weil die Statuen von einem einheimischen Künstler geschnitzt wurden. Unter den zahlreichen Barockplastiken sind außerdem nennenswert jene in der Ignatiuskirche zu Györ, Pfarrkirche zu Gyöngyöspata, St. Georgskirche zu Sopron, Innerstädtischen Pfarrkirche und Universitätskirche zu Budapest, Abteikirche zu Tihany, Stiftskirche zu Szentgotthárd, Pfarrkirche zu Egervár, Karmeliterkirche zu Székesfehervár und die Franziskanerkirchen zu Eger, Szeged, Sümeg und Kecskemét.
    Abschließend verdient das Werk eines barocken Kunstschmieds Erwähnung und zwar das Rokoko-Gitter am Komitatshaus zu Eger.

    5. Biedermeier, Romantik und Historismus

    Die erste Hälfte es 19. Jahrhunderts war, was die Malerei in Ungarn betrifft, im Gegensatz zur Architektur und Literatur ereignisarm; sie stand ganz im Zeichen des Biedermeier, d.h. war von Genre- und Landschaftsmalerei sowie realistischer Porträtmalerei geprägt. Religiöse und historische Motive fehlten fast völlig. Die beiden wichtigsten ungarischen Vertreter waren Miklós Barabás (1810-98) und József Borsos (1821-83). Beide malten überwiegend Portraits. Eine große Anzahl der Gemälde von Barabás befinden sich im Museum der Bildenden Künste in Budapest, während Arbeiten von Borsos in der Ungarischen Nationalgalerie zu Budapest ausgestellt sind.
    Der alle überragende Bildhauer jener Zeit war István Ferenczy (1792-1856). Er studierte unter Thorwaldsen und Canova und versuchte vergeblich in Ungarn eine Bildhauerschule zu gründen. Sein bekanntestes Werk ist sein Portrait des Dichters der ungarischen Nationalhymne Ferenc Kölcsey. Die Mehrzahl seiner Werke ist in der Ungarischen Nationalgalerie zu Budapest zu sehen.
    Mit der Niederschlagung 1849 der ungarischen Revolution und dem darauf folgenden Habsburger Neoabsolutismus erstarkte der ungarische Nationalismus. Er wiederum ebnete in der Malerei und Bildhauerei dem Historismus den Weg. Bedeutendste Vertreter der aus der Malerei waren Mihály Munkácsy (1844-1900), Viktor Madarász (1830-1917), Bertalan Székely (1835-1910), Károly Lotz (1833-1904), Gyula Benczúr (1844-1920) und Pál Szinyei Merse (1845-1920) sowie bei den Bildhauern Miklós Izsó (1831-1875).
    Mit Abstand der bedeutendste Maler war Mihály Munkácsy. Mit seinem Landschafts- und Genrebildern, vor allem seinen religiösen und historischen Darstellungen, wurde er auch international berühmt. Er studierte in Wien und München und lebte lange Jahre in Düsseldorf und Paris. Er starb in geistiger Umnachtung. Viele seiner Werke befinden sich heute in der Ungarischen Nationalgalerie in Budapest, aber auch in der Neuen Pinakothek München sowie in weiteren Museen Europas und den USA.
    Madarász lebte nach der ungarischen Revolution im Exil in Paris. Er malte vor allem Motive aus der ungarischen Geschichte. Zu seinem bekanntesten Werk zählt Wehklage über László Hunyadi. Ein Großteil seiner Arbeiten sind im Museum der Bildenden Künste in Budapest zu sehen.
    Zu Székelys bekanntesten Werken zählen Auffindung des Leichnams Ludwigs II., Die Schlacht bei Mohács, Die Frauen von Eger sowie Ladislaus V. und Ulrich von Cilli, alle in der Nationalgalerie zu Budapest. Ab 1880 versuchte er sich auch als Freskomaler (Matthiaskirche in Budapest, Dom von Pécs, Budapester Oper und Rathaus von Kecskemét).
    Der erfolgreichste Freskomaler der Zeit war Károly Lotz. Nach einer kurzen Phase mit romantischen Landschaftsbilder nach Szenen der ungarischen Tiefebene widmete er sich bald monumentaler, dekorativer Wandmalereien sowie Fresken im Stile des venezianischen Meisters Giovanni Battista Tiepolo. Seine Werke sind im Museum für Bildende Künste in Budapest zu sehen.
    Seine monumentalen Decken- und Wandmalereien schmücken u.a. folgende Gebäude:
  • in Budapest die Oper, den Prunksaal der Akademie der Wissenschaften, das Treppenhaus des Ungarischen Parlamentsgebäudes, die Stephansbasilika, die Redoute, das Nationalmuseum, die Matthiaskirche, die Franziskanerkirche, sowie das BookCafé.
  • in der Provinz den Dom zu Pécs und die Abteikirche zu Tihany.
    Benczúr war lange als Lehrer an der Kunsthochschule in München tätig. Zu seinen beiden bekanntesten Werken zählen Die Taufe des Vajk und Die Rückeroberung der Budaer Burg von den Türken, beide in der Nationalgalerie zu Budapest zu sehen.
    Auch Szinyei Merse studierte in München. Er widmete sich vornehmlich der realistischen Freiluftmalerei. Sein bekanntestes Werk ist Frühstück im Freien (Nationalgalerie zu Budapest). 1908 gründete er Ungarns erste Gesellschaft für moderne Kunst und den Kreis Ungarischer Impressionisten und Naturalisten. Selbst war er jedoch nie Impressionist.
    István Izsó schuf neben einigen Standbildern und Büsten nationaler Größen wie Petöfi in Budapest, Csokonai in Debrecen und Dugovics in Szeged zahlreiche wertvolle Kleinplastiken.

    6. Moderne des 20. Jahrhunderts
    6.1 Die Schule von Nagybánya

    Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich der Historismus überholt. Die ungarischen Malerei und Skulptur entwickelte sich fortan aus dem Spannungsfeld zwischen den künstlerischen Impulsen aus der Hauptstadt Budapest und der Provinz, der Vielzahl an einheimischen künstlerischen Anschauungen sowie den internationalen Entwicklungen. Den entscheidenden Anstoß setzte die sogenannte Schule von Nagybánya. In Nagybánya (Baie Mare im heutigen Rumänien) trafen sich 1886 eine Anzahl von Impressionisten um sich, in naturschöner Umgebung, ihrem Hang, der Freilichtmalerei, zu widmen. Sie hatten zuvor an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste in München studiert. Im Zentrum dieser Künstler standen neben dem Initiator Simon Hollósy (1857-1918) Károly Ferenczy (1862-1917), Béla Iványi Grünwald (1867-1940), István Réti (1872-1945) und János Thorma (1870-1937). Fortan trafen sie sich jährlich im Sommer und 1896 gründeten sie unter Federführung Hollósys die Schule von Nagybánya. Ihre Werke waren alle im Stil des Impressionismus, der Freilichtmalerei und des Realismus gehalten und sie wurden regelmäßig vor allem in Budapest ausgestellt.
    Hollósy war einer der bedeutendsten Vertreter des Naturalismus und Realismus in Ungarn. Als Maler war er nicht sehr produktiv, leitete aber eine eigene Schule in München und war Mitbegründer der Nagybánya Schule für Freilichtmalerei. Die Mehrzahl seiner Werke befinden sich in der Nationalgalerie von Budapest.
    Ferenczy zählt zu den bedeutendsten Freilichtmalern der Nagybánya-Schule. Die meisten seiner Werke sind in der Nationalgalerie in Budapest ausgestellt.
    Grünwald malte in jüngeren Jahren im Stil des Naturalismus und der Freilichtmalerei. Sein späteres Schaffen ist vom Realismus und Barock gekennzeichnet. Die meisten seiner Werke sind in der Nationalgalerie in Budapest zu sehen.
    Réti malte neben dem Genre der Freilichtmalerei auch Portraits. Seine wichtigsten Werke stammen aus der frühen Zeit in Nagybánya. Die meisten hängen in der Nationalgalerie zu Budapest.
    Thorma stand zunächst unter dem Einfluss des französischen Naturalismus, später unter Munkácsy. Ab 1920 war er ein typischer Vertreter der Nagybánya-Schule. Die meisten seiner Werke sind in der Nationalgalerie von Budapest zu sehen.

    Ab 1906 wurde die Nagybánya-Schule um eine Anzahl von Neos genannten Malern erweitert, die dem Postimpressionismus und Fauvismus nahestanden. Zu ihnen zählten Béla Czóbel (1883-1976), Tibor Boromisza (1880-1960), István Csók (1865-1961), Sándor Ziffer (1880-1962), Oszkár Glatz (1872-1958), Vilmos Perlott-Csaba (1880-1955), József Nemes-Lampérth (1896-1926), József Koszta (1861-1949), Lajos Tihanyi (1885-1938) und Vilmos Huszár (1884-1960). 1911 kam es zu Differenzen zwischen den Neos und der "alten" Schule in Nagybánya, die zum Ausschluss der meisten Neos führte.
    Czóbel war zunächst Freilichtmaler ehe er sich ab 1905 dem Fauvismus zuwandte. Er spielte ohne Zweifel eine Schlüsselrolle in der Stilentwicklung der Neos. Die meisten seiner Werke sind entweder in der Nationalgalerie von Budapest oder im Ferenczy-Museum von Szentendre zu sehen.
    Das Schaffen von Boromisza ist überwiegend in privatem Besitz. Ein Teil ist in der Nationalgalerie von Budapest zu sehen.
    Glatz begann als Freilichtmaler, hatte aber seine ersten Erfolge als Porträtmaler. Ab 1900 entwickelte er seinen eigenen Naturalismus mit Motiven aus dem ländlichen Leben. Die Mehrzahl seiner Werke sind in der Nationalgalerie von Budapest zu sehen.
    Das Schaffen von Perlott-Csaba widerspiegelt zunächst die Nagybánya-Schule. Seine späteren Arbeiten sind von Greco, Fauvismus und Kubismus beeinflusst. Die Mehrzahl seiner Werke hängen im Ferenczy-Museum zu Szentendre und in der Nationalgalerie zu Budapest.
    Das Schaffen von Csók war bereits zu seinen Lebzeiten von Erfolg gekrönt. Er gewann die Goldmedaille des Pariser Salons und den Großen Preis der Ungarischen Gesellschaft für Bildende Kunst und seine Werke wurden in Rom, San Francisco, London und Pittsburgh ausgestellt. Die Mehrzahl seiner Werke sind heutzutage in der Nationalgalerie von Budapest zu sehen.
    Ziffer begann als Freilichtmaler und wandte sich später dem Postimpressionismus zu. Sein Stil ist dekorativ, profiliert und farbenprächtig. Ein Teil seiner Werke hängen in der Galerie für moderne Ungarische Kunst des Jánus Pannonius-Museums zu Pécs und in der Nationalgalerie von Budapest.
    Tihanyi war ein Schüler Cézannes, er sympathisierte aber auch mit den Ideen des Kubismus und Expressionismus. Seine Portraits zeigen eine Verwandtnis mit Kokoschka und sind, wie seine Portraits ungarischer Intellektueller, von ausdrucksvoller Darstellungskraft. Ab 1924 wohnte er in Paris, wo er sich der nichtfigurativen Malerei widmete. Die Mehrzahl seiner Werke sind in der Nationalgalerie von Budapest zu sehen.
    Nemes-Lampérth arbeitete zunächst in Nagybánya und ab 1913 in Paris. Nach dem ersten Weltkrieg verbrachte einige Zeit in Berlin, dann Schweden, wo er erkrankte. Nach seiner Rückkehr nach Ungarn starb er geistig umnachtet. Zusammen mit Béla Uitz war Nemes-Lampérth ein Vertreter der monumentalen Expressionismus in Ungarn in den Jahren vor dem ersten Weltkrieg. Sein Konstruktivismus ist mit Cézanne und dem Stil der deutschen Maler verwandt. Die Mehrzahl seiner Malereien und Grafiken sind in der Nationalgalerie von Budapest ausgestellt.
    Huszár war zunächst Mitglied der Nagybánya-Schule, ging aber 1906 nach Holland. Dort wurde er zunächst Porträtmaler der Aristokratie widmete sich aber bald unter Einfluss von van Gogh der expressionistischen Landschaftsmalerei. Sein Werk Im Garten (1906) ist in der Galerie für moderne Ungarische Kunst des Jánus Pannonius-Museums zu Pécs ausgestellt.
    Die Nagybánya-Schule sollte die ungarische Malerei des 20. Jahrhunderts nachhaltig beeinflussen. Folgende Künstlerkolonien verdanken ihre Entstehung nicht zuletzt den fruchtbaren künstlerischen Impulsen der Nagybánya-Schule:

    6.2 Die Künstlerkolonie Szolnok

    Ihr wichtigster Vertreter war Adolf Fényes (1867-1945). Am bekanntesten unter seinen frühen Werken sind seine Kompositionen aus ein bis zwei Figuren armer Leute. Während des ersten Zehntels des 20. Jahrhunderts wandte er sich farbenfroheren und heiteren Themen zu; er malte Genre und Stillleben. Während und nach dem ersten Weltkrieg gewannen biblische Themen an Bedeutung. Die Mehrzahl seiner Werke sind in der Nationalgalerie von Budapest zu sehen.

    6.3 Die Maler der Großen Tiefebene

    Sie gründeten zwar keine eigene Schule, sondern formierten sich zu einer im gleichen Geist und in formaler Verwandtschaft agierenden Gruppe mit József Koszta (1861-1949; einer der Neos der Nagybánya-Schule), János Tornyai (1896-1936), István Nagy (1873-1937) und Gyula Rudnay (1878-1957).
    József Koszta hatte seine Wurzeln in der Tradition von Munkácsy. Während seiner Zeit in Nagybánya entwickelte er eine vom Leben der Bauern sowie dramatischen Portraits der Landschaft der Großen Tiefebene geprägte proletarische Kunst mit ihren auf den Gegensatz zwischen Licht und Schatten basierenden starken Farben und einem expressiven Realismus. Die Mehrzahl seiner Werke befinden sich in der Nationalgalerie zu Budapest und im Ferenc Móra Museum zu Szeged.
    Die ersten Werke Tornyais sind Portraits aus dem Leben der Bauern in der Tradition von Munkácsy. Nachdem er sich in Hódmezövásárhely niedergelassen hatte sammelte er Erzeugnisse der Folklore und gründete zusammen mit Gyula Rudnay und Béla Endre eine Schule mit dem Ziel der Errettung der Volkstöpferei. Ab 1910 malte er eine Serie von Landschaftsbildern der Großen Tiefebene. Die wichtigsten Anlaufstellen für seine Werke sind die Nationalgalerie zu Budapest und das János Tornyai-Museum in Hódmezövásárhely.
    Nagy malte vornehmlich dramatische von Puritanismus und Kreativität gekennzeichnete Portraits und Landschaften in Kohle und Pastell. Er zählt zu den besten Malern des ungarischen Realismus. Die meisten seiner Werke sind in der Nationalgalerie von Budapest zu sehen.
    Rudnay kam 1905 nach Hódmezövásárhely. Sein Schaffen widerspiegelt den Einfluss von Goya und Munkácsy. Seine Bilder aus hellen und dunklen Farben sind mit der Romantik verwandt. Die Mehrzahl sind in der Nationalgalerie zu Budapest zu sehen.

    6.4. Die Künstlerkolonie von Szentendre

    Trotz der problematischen Verhältnisse für Maler der Avantgarde während des Horthyregimes hatte sich in Szentendre gegen Ende der 30er Jahre eine Gruppe von Malern herauskristallisiert, die ihren individuellen Beitrag zu den zahlreichen Neuerungen der Moderne zu leisten im Stande waren. Zwei Trends können in dieser sogenannten Szentendre-Schule ausgemacht werden: einerseits der von Jenö Barcsay (1900-1988) vertretene Geist des Aktivismus mit zugleich konstruktiven und figurativen Elementen und anderseits der von Lajos Vajda (1909-41) und Dezsö Korniss (1908-84) propagierte Stil, der, wie Béla Bartók, sich Motiven der Volkskunst beim Schaffen von Werken der Bildenden Künste bedient. Ihre Arbeiten rührten an den Surrealismus, waren aber geprägt von ihrem Individualismus. Zu den Arbeitern von Szentendre zählte auch der Expressionist und Surrealist Imre Ámos (1907-44), der mit Chagall geistig verwandt war.
    Barcsay lernte 1926 in Hódmezövásárhely die konstruktivistische Landschaftsmalerei kennen; im selben Jahr, in Paris, traf er Cézanne, dessen Schaffen ihn für den Rest seines Lebens prägen sollte. Ab 1929 war er regelmäßig in Szentendre. Seine Schaffen 1926 ist geprägt vom Impressionismus. Seinen persönlichen Stil, ein ungarischer Konstruktivismus, entwickelte er ab 1929 in Szentendre. Er ist der bedeutendste Vertreter des ungarischen Konstruktivismus-Geometrizismus. Sein Schaffen übte einen großen Einfluss auf die zeitgenössischen und nachfolgenden Generationen aus. Möchte man sich seine Werke ansehen geht man entweder ins Ferenczy-Museum zu Szentendre oder in die Nationalgalerie zu Budapest.
    Vajda verbindet in seinem Schaffen Volkskunst mit abstrakten und surrealistischen Elementen. Seine Bilder sind Ausdruck seiner apokalyptischen Reaktionen auf den Faschismus. Sein Schaffen zählt mit dem Einklang aus rationaler Komposition und surrealistischen Visionen zu den eigenständigsten der ungarischen Avantgarde. Anlaufstelle ist in erster Hand das Ferenczy-Museum in Szentendre; einige Werke sind auch in der Nationalgalerie von Budapest zu sehen.
    Korniss war Maler, Grafiker und Lehrer. Bereits mit 15 Jahren lernte er den Konstruktivismus in den Niederlanden kennen. Später kam er mit den Surrealisten in Paris in Berührung. Seine erste Schaffensperiode 1922-23 ist vom konstruktiv-surrealistischem Stil gekennzeichnet. In seiner zweiten Schaffensperiode suchte er, das Programm Béla Bartóks in die Bildenden Künste umzusetzen. Die Zeit von 1934 bis 1940 verbrachte er in Szentendre. Es wurde seine von experimentalem Schaffen gekennzeichnete Zeit des Avantgardismus. Die Mehrzahl seiner Werke sind in privatem Besitz, einige hängen im Ferenczy-Museum zu Szentendre.
    Ámos arbeitete ab 1936 in Szentendre. 1937 besuchte er Paris und traf dort Chagall. Während des zweiten Weltkriegs wurde er nach Deutschland deportiert, wo er in einem Konzentrationslager starb. Sein Schaffen stand zunächst unter dem Einfluss von József Rippl-Rónai und Róbert Berény. Ab der Mitte der 30er Jahre malte er unter dem Eindruck von Chagall traumhafte Portraits. Anlaufstellen für sein Schaffen sind neben dem Ferenczy-Museum in Szentendre die Nationalgalerie von Budapest.

    6.5 Die Acht

    Die Budapester Gruppe Die Acht (1909-18) war eine revolutionäre, der Avantgarde zuzuordnende Künstlergruppe, die in ihrem Schaffen u.a. den Fauvismus, Postimpressionismus und der Malerei Cézannes huldigte. Ihre Mitglieder waren der Expressionist Károly Kernstok (1873-1940), die Anhänger Cézannes Dezsö Czigány (1883-1939) und Dezsö Orbán (1884-1986), die von Kokoschka beeinflussten Porträtisten Róbert Berény (1887-1953) und Lajos Tihanyi (1855-1939; siehe oben), der Begründer großflächiger Jugendstil-Bilder Bertalan Pór (1880-1964) sowie die unmittelbar mit dem Fauvismus verwandten Béla Czóbel (1883-1976; siehe oben) und Ödön Márffy (1878-1959). Tihanyi und Czobél gehörten auch der Nagybánya-Schule an.
    Stationen
  • 1906 gründete Kernstok auf seinem Gut in Nyergesújfalu (bei Esztergom) eine Geistige Werkstatt zur Entfaltung neuerer Tendenzen, vor allem des Fauvismus. Zu den aktivsten Mitgliedern zählten u.a. Béla Czóbel, Ödön Márffy, Dezsö Czigány, Dezö Orbán und Bertalán Pór.
  • Zwischen 1907 und 1909 nahmen Kernstok, Czóbel, Márffy und Pór an den Ausstellungen des ersten modernen - letztlich aber auch konservative Ideen huldigenden - Kunstvereins Ungarns MIÉNK (Magyar Impresszionisták és Naturalisták Köre - Kreis Ungarischer Impressionisten und Naturalisten; 1907-1910) teil.
  • 1909 trat Kernstok dem MIÉNK aus und organisierte zusammen mit sieben Malern (Czóbel, Márffy, Pór, Czigány, Orbán, Tihanyi und Berény) eine Ausstellung mit dem Titel Új Képek (Neue Bilder), ein bewusster Hinweis auf das epochale Werk der ungarischen Dichtung Új Versek (Neue Gedichte; 1906) von Endre Ady. Sie Ausstellung war ein großer Skandal, lockte jedoch ein großes Publikum an und wurde ausführlich im Nyugat kommentiert.
  • Der Durchbruch der Acht erfolgte mit der zweiten Vernissage 1909. Sie war musikalisch umrahmt durch Programme mit neuer ungarischer Literatur und Musik (u.a. trug Béla Bartók einige seiner Klavierstücke vor). Der Erfolg wurde bald von offiziellen Aufträgen seitens der Stadt Budapest gekrönt, die aber nur ein Teil der Acht verwerten konnten. Diese Ungleichbehandlung und der hieraus sich ergebende Brotneid führten letztlich zur Auflösung der Acht.

    Kernstok wurde zur Leitfigur der Acht. Er malte zunächst im Stil des Realismus. Ab 1906 wurde er Post-Impressionist und malte auch Freskos. Nach dem ersten Weltkrieg schuf er mehrere expressionistische Bilder und naturalistische Landschaftsmalereien. Er war auch Grafiker. Seine Kupfergrafiken sind von bleibender Bedeutung. Die Mehrzahl seiner Werke hängen in der Nationalgalerie zu Budapest.
    Czigánys frühes Schaffen ist von Gauguin und Cézanne beeinflusst. Er zählt zu den wichtigsten Initiatoren der Gruppe Die Acht. Bekannt ist sein Portrait von Endre Ady (Petöfi-Museum für Literatur, Budapest).
    Orbán war vor allem aktiv im Rahmen der Gruppe Die Acht. Er hinterlässt wenige Werke; zwei davon sind in der Nationalgalerie zu Budapest untergebracht.
    Berény war ein vom Expressionismus und Kubismus beeinflusster Maler. Seine bekannteste Arbeit aus jener Zeit ist sein Portrait von Bartók. Ab den 30er Jahren wandte er sich zunehmend den Traditionen der Schule von Nagybánya zu. Die Mehrzahl seiner Werke sind in der Galerie für moderne Ungarische Kunst des Jánus Pannonius-Museums zu Pécs und in der Nationalgalerie zu Budapest zu sehen.
    Pór arbeitete zunächst als Porträtist Später (1911) entwarf er ein Fresko für die Budapester Oper. Mit der Machtergreifung Horthys übersiedelte er in die Slowakei. Dort malte er Portraits und Landschaften. Ab den frühen 30er Jahren arbeitete er in Paris im Stil der Symbolik. Nach dem zweiten Weltkrieg kam er zurück nach Budapest und schuf dort vornehmlich dramatische Portraits. Die Mehrzahl seiner öffentlichen Werke sind in der Nationalgalerie von Budapest zu sehen.
    Marffy zählt zu den führenden Postimpressionisten Ungarns, verblieb aber zum Teil im Konstruktivismus seiner Jugendzeit. In seinen Werken spielen ungarische Idiome eine große Rolle. Die Mehrzahl seiner Werke sind in der Nationalgalerie von Budapest ausgestellt.

    6.6 Sonstige

    Die Gruppe Die Acht war die bedeutendste ungarische Avantgardekünstlergruppe Ungarns zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie beeinflusste widerum zahlreiche junge Künstler, deren Schaffen einen von zwei Trends zugeordnet werden kann: der figurativen Malerei und dem Konstruktivismus. Die herausragenden Vertreter der figurativen Malerei waren József Nemes- Lampérth (1896-1926; siehe die Schule von Nagybánya oben) mit seinen dramatisch expressiven Arbeiten und Béla Uitz (1887-1972) mit seinen monumentalen Kompositionen. Die Führenden des Konstruktivismus waren Lajos Kassák (1887-1967) und Sándor Bortnyik (1893-1976). Beide übten Einfluss auf das Schaffen von László Moholy-Nagy (1895-1946; siehe nachfolgend) und Zoltán Kemény (1907-65), Bortnyik außerdem auf Victor Vasarely.
    Uitz war in seinem Schaffen von Cézanne, Goya und Picasso beeinflusst. Mit der Machtergreifung Horthys emigrierte er nach Wien. Dort wurde er zunehmend vom Kubismus beeinflusst. Ab dem 20er Jahren widmete er sich vermehrt der Freskomalerei. Seine Werke sind u.a. in der Galerie für moderne Ungarische Kunst im Jánus Pannonius-Museum zu Pécs und in der Nationalgalerie von Budapest ausgestellt.
    Kassák war zunächst Literat und einer der Mitbegründer der Zeitschrift Nyugat. Erst ab 1920 begann er sich für die bildenden Künste zu interessieren. Er produzierte vor allem dadaistische Kollagen, Skulpturen und Verkaufsplakate. Außerdem wurde er Mitglied verschiedener Zentren des Konstruktivismus und fungierte als Vermittler zwischen ihnen. Zwischen 1940 und 1950 war er wieder vermehrt mit schriftstellerischer Tätigkeit beschäftigt, musste sie aber aus politischen Gründen aufgeben. In der Folge widmete er sich wieder den bildenden Künsten und spielte dabei eine zunehmende Rolle bei er Gründung neuer Richtungen. Die Mehrzahl seiner Werke sind in der Nationalgalerie Budapests zu sehen.
    Bortnyik war Maler und Grafiker. Seine von revolutionären Ideen inspirierten kubistisch-expressionistischen Linolschnitte sowie seine Leinwandgemälde mit charakteristischen Themen und individuellen Stoffen 1918 erregten weites Aufsehen. Nach der Machtergreifung durch Horthy ging er in die Emigration wo er sich ab 1921 der nichtfigurativen Kunst widmete. Zwischen 1922 und 1924 lebte er in Weimar; in dieser Zeit waren seine Arbeiten aus der Coexistenz aus schlichter Konstruktion, Expressionismus und Kubismus gekennzeichnet. Nach seiner Rückkehr nach Budapest zeichnete er zunächst Posters im Stil des Konstruktivismus und ab 1930 Bilder im Stil der späten Nagybánya-Schule. Die Mehrzahl seiner Werke sind in der Galerie für moderne Ungarische Kunst im Jánus Pannonius-Museum zu Pécs und in der Nationalgalerie zu Budapest zu sehen.

    Nicht eindeutig einer Schule zuzuordnen sind János Vaszary (1867-1939), László Mednyánszky (1852-1919) und János Nagy Balogh (1874-1919).
    Vasarys Kunst ist von einer sozialen Botschaft geprägt. Nach dem ersten Weltkrieg malte er vor allem expressionistische Visionen. Sein Stil ist wechselhaft, beeinflusst vom Fauvismus, von Matisse und Dufy. Die Mehrzahl seiner Werke sind in der Nationalgalerie zu Budapest zu sehen.
    Mednyánszky dringt mit seiner Kunst tief in den menschlichen Charakter ein und wird deshalb als Dostojewski der ungarischen Malerei bezeichnet. Er zählt zweifelsohne zu den bedeutendsten realistischen Malern Ungarns. Zahlreiche seiner Werke sind in der Nationalgalerie von Budapest zu sehen.
    Nagy Balogh war Autodidakt. Seine frühen Arbeiten entstanden unter dem Einfluss der Münchner Genremaler und des Symbolismus des Jugendstils des Jahrhundertwechsels. Später entwickelte er seinen eigenen, dramatisch-expressiven, jedoch gleichzeitig ergreifend einfachen und von authentischer Komposition gekennzeichneten Stil. Bekannt sind die Bilder seiner Mutter und seines armseligen Zuhauses. Die Mehrzahl seiner Werke sind in der Nationalgalerie von Budapest zu sehen.

    Wie aus dem oben dargestellten erkenntlich, war die Moderne der Bildenden Künste in Ungarn Anfang der 20. Jahrhunderts gekennzeichnet durch das Spannungsfeld zwischen den künstlerischen Auffassungen der Hauptstadt Budapests, vertreten durch die Gruppe der Acht und der Provinz, vertreten durch die Neos in Nagybánya, sowie den internationalen Trends. Und über allem schwebte im Hintergrund noch irgendwo der Realismus eines Munkácsy. Einer der es verstand, sich aus den damit verbundenen Turbulenzen herauszuhalten war József Rippl-Rónai (1861-1927). Er studierte zunächst akademische Malerei in München, ging dann nach Paris und wurde dort Mitglied der dem Post-Imressionismus zugerechneten Künstlergruppe Nabis. Nach seiner Rückkehr nach Ungarn 1901 war er zwar Mitglied der MIÉNK, zählte dort aber zu den eher Konservativen. In Ungarn begann seine kometenhafte Karriere; er malte hier intime Bilder aus winzigen Farbtupfern - in seinem eigenen sogenannten Getreidekorn-Stil - wobei er sich heller Farben und kleinen Pinselstrichen bediente. Seine Werke wurden nicht von dem gemeinen Volk verstanden sondern auch von der intellektuellen Elite angenommen und Rippl-Ronai gilt daher als einer der angesehensten und populärsten ungarischen Maler des 20. Jahrhunderts. Er ist Ungarns Vertreter des Postimpressionismus und des Symbolismus, obzwar er immer nach Originalität strebte und er sich nicht in eine Schule einordnen wollte.
    Das von Rippl-Rónai umgestaltete barocke Wohnhaus und Atelier in Kaposvár ist als Museum eingerichtet; an den Wänden hängen auch Gemälde aus der Sammlung seines Bruders Ödön. Die meisten Werke József Rippl-Rónais sind jedoch im Rippl-Ronai Gedächtnismuseum etwas außerhalb von Kaposvár sowie in der Ungarischen Nationalgalerie zu Budapest zu sehen.
    Tivadar Kosztka Csontváry (1853-1919) wurde erst mit 41 Jahren Maler. Während seiner kurzen Schaffensperiode - er erkrankte an Schizophrenie und starb in Armut - malte er figurative, oft monumentale Bilder im Stil des Expressionismus, war aber auch vom Postimpressionismus beeinflusst.
    2006 brachte das Gemälde Csontvárys Das Treffen der Geliebten (Randevu; 1902) in einer Auktion der Budapester Galerie Kieselbach einen Erlös von mehr als einer Million Euro.
    Eine große Zahl von Csontvárys Werken ist im Pécser Csontváry-Museum und in der Nationalgalerie von Budapest zu sehen.
    Csontváry hatte großen Einfluss auf die Maler der Großen Tiefebene mit ihren Stimmungsbildern aus der Puszta.

    7. Die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen

    Der offizielle künstlerische Trend während des Horty-Regimes war der Historismus und Eklektizismus; ab den 30er Jahren dominierte der Neoklassizismus. Offizielle Aufträge im Bereich der Architektur und Skulptur wurden praktisch nur Künstler dieser Stilrichtungen vergeben, zunehmend an jene, die den akademischen Neoklassizismus vertraten.
    Die führenden Bildhauer des Historismus waren Alajos Stróbl (1856-1926), György Zala (1858-1937), János Fadrusz (1858-1903), Károly Senyei (1854-1919), Barnabás Holló (1865-1917), József Róna (1861-1939) und György Kiss (1852-1919). Sie haben vor allem Denkmäler in Budapest der Nachwelt hinterlassen:
  • Stróbl schuf u.a. den Matthiasbrunnen im äußeren Hof des Burgpalasts zu Budapest, die Statuen der Komponisten Franz Liszt und Ferenc Erkel neben dem Haupteingang zur Oper in Budapest, ferner das Reiterstandbild der Heiligen Stephan östlich der Matthiaskirche von Buda sowie das Denkmal von Ignaz Semmelweis im Stadtteil Pest.
  • Zala schuf in Budapest, neben einigen Büsten auf dem Kerepesi Friedhof, die Statue des Erzengel Gabriels sowie vier der Figuren der Kolonnaden am Heldenplatz auch das Kaiserin Elisabeth-Denkmal, zudem, nebst zahlreicher Büsten ungarischer Prominenter aus der Kultur, das Ferenc Deak-Denkmal in Szeged.
  • Aus Fadrusz Schaffen hervorzuheben ist das Reiterstandbild König Matthias in Koloszvár (dem heutigen Cluj in Rumänien), das Löwenportal zum Großen Innenhof des Burgpalasts von Buda sowie das Standbild von Lajos Tisza in Szeged.
  • Von Senyei stammen in Budapest u.a. die Reliefs neben dem Eingang zum Budapester Historischen Museum, die Triga des Völkerkundemuseums, zwei der Bronzestandbilder der Kolonnaden am Heldenplatz sowie der Brunnen vor der Pester Redoute.
  • Holló schuf u.a. den Springbrunnen am Corvin tér in der Budaer Wasserstadt, das Bronzerelief an der Franziskanerkirche in Budapest sowie die Bronzestatuen von István Bocskai in Debrecen und Hajdúböszörmény.
    Róna ist u.a. das bronzene Reiterstandbild Prinz Eugens von Savoyern an der Donaufront des Burgpalasts sowie das Standbild des Burgherrn der Festung Szigetvár Miklós Zrínyi am Kodály-Körönd, beide zu Budapest, zu verdanken.
  • Kiss schuf u.a. das Muttergottes-Relief am Südportal des Doms zu Pécs.
    Der herausragendste Bildhauer des Neoklassizismus war Zsigmond Kisfaludi Strobl (1884-1975). Von ihm stammen u.a. die Husarenstatue am Disz tér in Buda, das Freiheitsdenkmal auf dem Gellértberg in Buda, die Reliefgruppe Hungaria an der Südseite des Feuerturms zu Sopron sowie die Figurengruppe auf dem Dobó István tér zu Eger.
    Auf Kisfaludy Strobl folgten vom deutschen und italienischen Neoklassizismus beeinflusste Künstler wie Pál Pátzay (1896-1979; der auch während des Kommunismus nach dem zweiten Weltkrieg zahlreiche offizielle Aufträge erhielt!) sowie Béni Ferenczy (1890-1967) und Ferenc Medgyessy (1881-1958), die alle den Prinzipien Maillons huldigten - wobei Medgyessy sich außerdem dem Idiom ungarischer Volksskulptur bediente - nebst Miklós Borsos (1906-90), der sich in seinen Skulpturen eng an Ferenczy und Medgyessy anlehnte, Imre Varga (1923) und nicht zuletzt die Keramikerin Margit Kovács (1902-77).
    Die meisten Avantgardisten unter den Bildhauern Ungarns gingen unter Horthy ins Exil. Zu ihnen zählen der Kubist József Csáky (1888-1971) sowie István Beöthy (1897-1962), Zoltán Kemény (1907-65; er bekam als bisher einziger ungarischer Bildhauer einen Preis auf der Biennale von Venedig) und der "Vater der kybernetischen Kunst" Nicolas Schöffer (1912-92). Zu den besten, die Zuhause blieben, zählen die Expressionisten Dezsö Bokros-Birman (1884-1965) und Tibor Vilt (1905-83).

    Die bedeutendsten Künstler der Bildenden Künste zwischen den beiden Weltkriegen in Ungarn waren die Maler. Ähnlich wie bei den Bildhauern mussten allerdings die meisten Avantgardisten Ungarn während des Horthy-Regimes verlassen. Viele von ihnen gelangten im Exil zu ansehnlichen Ruhm und Ehren. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang sind László Moholy-Nagy, Zoltán Kemény und Victor Vasarely (1906-97).
    Moholy-Nagy schuf nicht gegenständlich-konstruktivistische Plastiken, Gemälde, Fotografien und Grafiken. 1920 ging er nach Berlin und war dort zwischen 1923 und 1928 einer der bedeutendsten Lehrer am Bauhaus sowie zusammen mit Walter Gropius Herausgeber der Bauhausbücher.
    Vasarely wandte sich zunächst der Grafik zu und studiert u.a. an der von Sándor Bortnyik in der Tradition des Bauhauses geführten Mühely-Schule für Grafik. 1930 ging er nach Paris. Ab 1944 widmete er sich ausschließlich der Malerei, ab 1947 geometrisch-abstrakten Motiven. Sein erstes großes Werk Zebra (1937) gilt heute als das erste Werk der Op Art und Vasarely als ein Mitbegründer dieser Richtung. Viele seiner Werke sind im Vasarely-Museum in seiner Heimatstadt Pécs zu sehen.
    Der Expressionist Gyula Derkovits (1894-1934) war Maler und Grafiker. Er verließ Ungarn mit der Machtübernahme Horthys und schuf in Wien unter Einfluss des deutschen Expressionismus seine bedeutendste Arbeit, die Holzschnittfolge 1514, die den Bauernaufstand unter György Dózsa zum Thema hat. Viele seiner Werke sind in der Nationalgalerie von Budapest zu sehen.
    Auch József Egry (1883-1951) zählt zu den Expressionisten. Er gilt als Maler des Plattensees, dessen Schönheit zu allen Tages- und Jahreszeiten er in seinen Bildern huldigt. Zu sehen sind viele seiner Werke in dem nach ihm benannten Museum, dem ehemaligen Atelier des Malers, in Badacsony.
    Die Maler des Gresham-Zirkels - benannt nach dem Nobelcaféund heutigem Luxushotel, in dem sie sich regelmäßig trafen - wendeten sich wieder dem Postimpressionismus zu. Ihre beiden talentiertesten Vertreter waren Aurél Bernáth (1895-1982) und István Szönyi (1894-1961). Bernáth war ein Maler von reicher Farbgestaltung und offen für die psychologischen Probleme des modernen Menschen. Szönyi gilt als Meister der lyrischen Freilichtmalerei. Die Werke beider Künstler sind in der Ungarischen Nationalgalerie zu Budapest, die Werke Szönyis außerdem im Szönyi István Memorial Museum in Zebegény zu sehen.

    Quellen
  • Lajos Németh: A Concice History of Hungarian Art. Corvina Press 1976. ISBN 963 13 3065 6
  • Kunstdenkmäler in Ungarn - Ein Bildhandbuch. Deutscher Kunstverlag 1974. ISBN 3 422 00363 0
  • Fine Arts in Hungary. (in Englisch)

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    Aktualisiert am 30.12.2016